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3. Wunder von der Weser

Start / Verein / Werder-Wunder / 3. Wunder von der Weser

Champions-League, Saison 1993/94, Gruppenphase, Gruppe B, am 2. Spieltag

SV Werder Bremen - RSC Anderlecht 5:3 (0:3)
Tore: Rufer (2), Bratseth, Hobsch, Bode

Das dritte Wunder von der Weser

Fünf Jahre nach dem 5:0 gegen den BFC Dynamo erlebte das Weserstadion den nächsten aussergewöhnlichen Europapokalabend. Am 8. Dezember 1993 empfing der amtierende deutsche Meister Werder Bremen den belgischen Meister RSC Anderlecht in der Gruppenphase der UEFA Champions League. Für Werder war es das erste Champions-League-Heimspiel der Vereinsgeschichte.

Die Mannschaft von Otto Rehhagel war mit einer 2:3-Niederlage beim FC Porto in die Gruppe B gestartet. Anderlecht hatte zum Auftakt gegen den AC Mailand 0:0 gespielt. Für Werder war das Heimspiel deshalb bereits von grosser Bedeutung. Doch zunächst verlief die Partie vollkommen anders als erhofft.

Nach 16 Minuten ging Anderlecht in Führung. Werder-Torhüter Oliver Reck konnte einen Ball nicht entscheidend klären, Philippe Albert nutzte die Situation und traf zum 0:1. Nur zwei Minuten später erhöhte Danny Boffin auf 0:2. In der 33. Minute erzielte Boffin seinen zweiten Treffer. Zur Halbzeit lag Werder im eigenen Stadion mit 0:3 zurück.

Rehhagel reagierte in der Pause. Thomas Wolter kam für Andreas Herzog, zudem wurde Mario Basler im Mittelfeld anders eingesetzt. Werder fand danach besser in die Partie, doch lange blieb es beim deutlichen Rückstand. Erst in der 66. Minute gelang Wynton Rufer das 1:3.

Was danach geschah, machte das Spiel zum dritten „Wunder von der Weser“. Nur sechs Minuten nach Rufers Treffer verkürzte Rune Bratseth per Kopf auf 2:3. In der 80. Minute erzielte Bernd Hobsch den Ausgleich. Aus einem 0:3 war innerhalb von 14 Minuten ein 3:3 geworden.

Werder spielte weiter nach vorne. Bereits drei Minuten nach dem Ausgleich traf Marco Bode zum 4:3. Die Partie war damit vollständig gedreht. Anderlecht erhielt kurz vor Schluss nochmals die Möglichkeit zum Ausgleich, doch Oliver Reck verhinderte gegen Luc Nilis das 4:4.

In der 89. Minute setzte Wynton Rufer mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt. Werder Bremen gewann nach einem 0:3-Pausenrückstand noch mit 5:3. Sämtliche fünf Bremer Tore waren innerhalb von nur 23 Minuten gefallen. UEFA zählt die Partie zu den grossen Aufholjagden in der Geschichte des Wettbewerbs.

Norbert Kuntze beschreibt den Moment des zwischenzeitlichen Ausgleichs in seiner Darstellung mit einem kurzen Satz:

„Das ganze Stadion stand Kopf.“

Der Erfolg war nicht nur wegen des Spielverlaufs bemerkenswert. Werder gehörte 1993/94 als deutscher Meister zu den lediglich acht Mannschaften, die die damalige Gruppenphase der noch jungen Champions League erreichten. In der Gruppe traf Bremen auf den AC Mailand, den FC Porto und RSC Anderlecht. Die beiden besten Mannschaften qualifizierten sich damals unmittelbar für das Halbfinale. Werder beendete die Gruppe später auf Rang drei und schied aus dem Wettbewerb aus.

Der Abend des 8. Dezember 1993 blieb dennoch als eines der bekanntesten Europapokalspiele der Vereinsgeschichte in Erinnerung. Nach den Aufholjagden gegen Spartak Moskau und den BFC Dynamo war das 5:3 gegen Anderlecht das dritte Spiel, das mit dem Begriff „Wunder von der Weser“ verbunden wurde.

Quelle des Zitats:
Norbert Kuntze: Werder Bremen: Eine Karriere im kühlen Norden, Verlag Die Werkstatt, 1997.

Weitere Quellen für Spiel- und Ergebnisdaten:
UEFA, Bremen complete latest Wunder von der Weser; SV Werder Bremen, Grünes Wunder – Nach 0:3 noch 5:3 gegen Anderlecht.